Diskussion zur Schattenseite der Währungsunion mit Prof. D. Christa Luft

»25 Jahre Währungsunion: Als der Kollaps der DDR-Wirtschaft zum kollektiven Trauma der Ostdeutschen wurde«

Rohnstock Biografien
Rohnstock Biografien

Am 18. Juni 2015 findet im Salon von Rohnstock Biografien, Schönhauser Allee 12 (Eingang Saarbrücker Str.), 10119 Berlin in der Zeit von 15- 19 Uhr eine Lesung aus dem Buch „Mein letzter Arbeitstag“ mit anschließender Diskussion und Zeitzeugen statt.

Podiumsgäste der Veranstaltung zur Währungsunion sind: Prof. Dr. Christa Luft (1989/90 Vizepremier und Wirtschaftsministerin in der Modrow-Regierung), Dr. Manfred Domagk (ehem. Staatssekretär im Amt für Preise beim Ministerrat der DDR), Prof. Dr. Dr. Karl Döring (ehem. Generaldirektor VEB Bandstahlkombinat »Hermann Matern«), Herbert Roloff (ehem. Generaldirektor Außenhandelsbetrieb Industrieanlagen-Import), Heiko Schultz (ehem. Kellner im Palast der Republik in Berlin), Prof. Dr. Jörg Roesler (Wirtschaftshistoriker bis 1991 am Institut f. Wirtschaftsgeschichte der AdW)


Für einen Großteil der 17 Millionen DDR-Bürger bedeutete die Währungsunion neben der herbeigesehnten Geldumstellung eine "beispiellose Schocktherapie", wie der Ökonom Manfred Streit schrieb. Denn vollkommen unvorbereitet mussten sich die DDR-Betriebe ohne Übergangsfrist einer globalen und in vielerlei Hinsicht besser aufgestellten Konkurrenz stellen. Es wundert nicht, dass dieser Kampf verloren wurde.


Der Osthandel brach zusammen, während westdeutsche und westeuropäische Firmen wachsende Anteile von Exporten in osteuropäische Transformationsländer übernahmen. Die Verwaltungen der Kombinate wurden umgekrempelt, reihenweise wurden Betriebe dicht gemacht. Viele Ostdeutsche verloren von einem Tag auf den anderen ihre bis dahin sichere Existenz.
Wie die Betroffenen mit den Folgen der Währungsunion umgingen, wie ihr Leben nach der Währungsunion verlief und warum es bis heute wichtig ist, diese persönlichen Schicksale zu erzählen, schildert die Jenaer Germanistin Katrin Rohnstock und Moderatorin des Abends in ihrem Buch „Mein letzter Arbeitstag. Abgewickelt nach 89/ 90. Ostdeutsche Lebensläufe.“

Die Inhaberin von Rohnstock Biografien ist auf das Erzählen und Schreiben von Lebensgeschichten spezialisiert. Mit dem Aufschreiben der Erinnerungen von 30 Ostdeutschen hat sie sich einem großen, bisher verkannten Thema der Wendegeschichte und damit den auch bitteren Folgen der Währungsunion gewidmet.


Neben anderen erzählt das Buch insgesamt fast zehn Berliner Schicksale und Lebensgeschichten.
Zum Beispiel von der Kindergärtnerin Anett Lotze, die ihren Traumberuf aufgeben musste. Sie wundert sich, dass Kindergärtnerinnen, die in der DDR gelernt haben, bis heute gezwungen sind, eine Fortbildung zu machen, die schlechter als die damalige Ausbildung ist. Vom Meister und Jugendbrigadier Rainer Schramm, der seine Gewerkschaft retten wollte und trotzdem 3.500 Kündigungen der hauptamtlichen FDGBler unterschrieb, ehe er resigniert in die Privatwirtschaft wechselte. Das Buch erzählt vom Kellner Heiko Schulz, der als gut verdienender Mitarbeiter in „Erichs Lampenladen“ plötzlich arbeitslos wurde und heute Inhaber einer Hausmeisterfirma in Berlin Wedding ist.


Die mit der Währungsunion einhergehende Veränderung der Lebenssituation traf in gleichem Maße die Akademiker der DDR. Als Leiter der Poliklinik „Dr. Karl Kollwitz“ versuchte Dr. Peter Hertzer vergeblich, die Poliklinik, die stets im Sinne der Patienten und die Arbeitsplätze für 920 Mitarbeiter zu retten. Ähnlich erging es Generaldirektor Herbert Roloff, der um den Erhalt des Außenhandelsbetriebs Industrieanlagenbau-Import Berlin kämpfte. Doch die Handelspartner des Betriebes und seine Existenzgrundlage, auch DDR Betriebe und Kombinate, waren pleite oder wurden „abgewickelt“. Es gab keine wirtschaftliche Basis mehr für eine ungebrochene Zukunft der Mitarbeiter. Diese verloren mit dem Job nicht nur ihre Existenz, sondern auch ihre „Betriebsfamilie“ und damit einen langjährigen, sozialen Halt, der weit über betriebliche Kollegialität hinausging.
Unkostenbeitrag: Ohne Abonnement für den GD-Salon beträgt der Eintritt 10 Euro (Kuchen und Kaffee inklusive; Studenten frei).